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Bio-Frische auf Vorrat
20.09.2006

Professor Dr. Guido Ritter
dti/Fachhochschule Münster
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Die Nachfrage nach tiefgekühlten Produkten in Bio-Qualität steigt in Deutschland. Der Ernährungswissenschaftler Professor Dr. Guido Ritter, Dekan des Fachbereichs Oecotrophologie der Fachhochschule Münster, erläutert, warum Bio-Tiefkühlkost bei den Verbrauchern immer beliebter wird. Als Produktentwickler weiß Professor Dr. Ritter auch, wohin der Trend bei Tiefkühlkost im Bio-Bereich geht.

dti: Welchen besonderen Mehr-Wert haben Verbraucher, wenn sie zu Bio-Tiefkühlkost greifen?
Ritter: Die Kombination von biologisch hergestellten Lebensmitteln mit der Technik der Tiefkühlkost bündelt Vorteile. Auf der einen Seite die Vorteile der Tiefkühlkost: Frische, schonende Herstellung, Sicherheit, Genusswert und die ganzjährige Verfügbarkeit. Auf der anderen Seite die Vorzüge der biologischen Lebensmittel. Hierzu zähle ich die gegenüber konventionellen Lebensmitteln begrenzte Belastung mit Schadstoffen wie Nitrat und Pflanzenschutzmitteln, ferner die Vorteile bei bestimmten positiven sekundären Pflanzenstoffen, wie z.B. den Pflanzenphenolen, die in Bio-Lebensmitteln oft in höheren Konzentrationen zu finden sind. Schließlich sehe ich in der größeren Anzahl auch alter Sorten, die der Biolandbau verwendet, eine größere Geschmacksvielfalt. Auch die Intensität des Geschmackes ist bei Bio-Produkten oft größer. Der Verbraucher schätzt bei Bio-Produkten, dass er seine Lebensmittel mit einem hohen Maß an Vertrauen genießen kann.

dti: Stichwort: Vertrauen. Welche speziellen Maßnahmen bei der Herstellung von tiefgekühlten Bio-Lebensmitteln ergreifen die Produzenten, um diesem Qualitätsanspruch gerecht zu werden?
Ritter: Um das Vertrauen in Bio-Produkte zu rechtfertigen, schreibt die EU-Öko-Verordnung entsprechende Kontrollen beim Erzeuger und Verarbeiter dieser Lebensmittel vor. Darüber hinaus gibt es weitere produktspezifische Qualitätsmaßnahmen. Zusätzlich haben viele Produzenten und Händler von Bio-Produkten ihre Rückstandsanalysen über das rechtlich vorgeschriebene Maß intensiviert, um möglichst große Sicherheit zu bieten. In diesem Kontrollsystem haben es „schwarze Schafe“ schwer, unentdeckt zu bleiben.

dti: Die steigende Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln in tiefgekühlter Qualität bedingt gleichzeitig eine stärkere Verfügbarkeit der Rohware. Wie können Hersteller eventuell auftretende Engpässe vermeiden?
Ritter: Bisher scheint es trotz steigender Nachfrage in der Verfügbarkeit keine Probleme zu geben. Weitere Anbauflächen – auch in Deutschland – sind noch vor-handen. In Zukunft wird man aber vermehrt über ausländische Ware nachdenken müssen, wenn das Angebot im Inland nicht in dem Maße wächst, wie die Nachfrage. Die in der Branche üblichen langfristigen Kontakte in der Zusammenarbeit zwischen Anbau, Verarbeiter und Handel helfen auch kurzfristig auftretende Engpässe zu meistern.

dti: Welche tiefgekühlten Produktbereiche im Bio-Segment werden nach Ihrer Einschätzung mengenmäßig besonders zulegen?
Ritter: Neben Gemüse sind Pizza, Pasta und Fisch zur Zeit die Renner und scheinen auch in Zukunft noch Entwicklungspotenzial zu haben.

dti: Wie können im Bio-Bereich aktive Einzelhändler die Präsentation – und damit verbunden den Umsatz – in ihrer Tiefkühlabteilung erhöhen?
Ritter: Ein besonderer Anreiz kann durch geeignete Kühlmöbel geschaffen werden. Durch Kühlschränke an Stelle von Kühltruhen oder sogenannten „Insel-Lösungen“ kann der Einzelhändler sein Angebot sehr attraktiv darstellen.

dti: Sie beschäftigen sich auch mit dem Bereich Produktentwickung. Welche kulinarischen Trends sehen Sie bei Bio-Tiefkühlkost?
Ritter: Der Bereich der sogenannten „Convenience-Produkte“ wird sich weiterentwickeln. Es werden deutlich mehr Produkte auf den Markt kommen, die dem Verbraucher bei der Zubereitung und Handhabung das Leben erleichtern wollen.
Geschmack, Genuss und Originalität sind klassische Trends, die gerade in diesem Lebensmittelsegment sehr gut befriedigt werden können.
Den Trend zu sogenannten „Funktionellen Lebensmitteln“ mit einem zusätzlichen Gesundheitsnutzen halte ich dagegen für überschätzt. Nur wenige Produkte werden tatsächlich nachweislich diesen hohen Anspruch erfüllen können. Im Übrigen gibt es meiner Meinung nach keine „gesunden Lebensmittel“, sondern nur eine ausgewogene „gesunde Ernährung“, zu der Bio-Tiefkühlkost mit ihrer reichhaltigen Breite sehr gut beitragen kann.

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