Tiefkühlfrische Qualität überzeugt Experten
24.09.2008
Tiefkühlprodukte zeichnen sich durch ein „sehr hohes Qualitätsniveau“ aus. Dies betrifft die gesamte Produktpalette von Gemüse bis Fertiggerichte. Zu diesem Ergebnis kommt der Wissenschaftliche Bevollmächtigte der Qualitätsprüfung Convenience Food 2008 der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Professor Dr. Jörg Oehlenschläger.
Entsprechend hoch war die Medaillenausbeute der eingereichten Tiefkühlprodukte in diesem Jahr. 93 Prozent erhielten die Auszeichnung „DLG-prämiert“. Davon wurden alleine 49 Prozent und damit fast jedes zweite Produkt mit dem DLG-Preis in Gold geehrt. „Alle DLG-prämierten Erzeugnisse stehen für einen überdurchschnittlichen Genusswert“, betont die unabhängige Organisation.Im Folgenden erläutert Professor Oehlenschläger den aktuellen Qualitätsvorteil von Tiefkühlkost und informiert über die neuesten Trends im Sortiment.
dti: "Frische“ war ein großes Thema auf dem diesjährigen Qualitätswettbewerb. Wie definieren Sie Frische im Zusammenhang mit Tiefkühlkost auch im Hinblick auf konkurrierende Angebotsformen wie beispielsweise Kühlkost?
Oehlenschläger: Frischprodukte oder wie es heute heißt „chilled products“ sind eine gute Sache, wenn sie denn frisch sind. Das sind die Produkte zweifelsfrei auch am Anfang ihres Aufenthaltes im Einzelhandel, aber sie segeln unter dem Etikett „frisch“ auch noch bis zum Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums oder länger, wenn die typischen Frischemerkmale schon nicht mehr erkennbar sind. Viele Tiefkühlprodukte, die unmittelbar, das heißt Stunden nach der Ernte oder dem
Fang sehr frisch
tiefgefroren werden und erst beim Verbraucher wieder
aufgetaut und dann zubereitet werden, sind in diesem Sinne sicherlich „frischer“ als alte Frischprodukte.
dti: Der Qualitätsanspruch an Lebensmittel generell und damit auch an Produkte aus der Tiefkühlung steigt bei den Verbrauchern. Wie hat sich dieser Trend beim diesjährigen DLG-Wettbewerb gezeigt?
Oehlenschläger: Wie schon in den Vorjahren ist die Palette an Erzeugnissen sehr groß und umfasst so gut wie alle Produktbereiche von Gemüse bis Fertiggerichte. Die geprüften Produkte sind dabei ganz überwiegend von sehr guter herausgehobener
Qualität, was sich auch im hohen Prämierungsgrad widerspiegelt.
dti: Immer mehr tiefgekühlte Produkte werden alternativ zu Pfanne oder Backofen für die Zubereitung in der Mikrowelle angeboten. Was sind die Vorteile der für die Mikrowelle geeigneten Tiefkühlprodukte?
Oehlenschläger: Die Vorteile der Zubereitung in der Mikrowelle sind die, dass in der Regel bei der Zubereitung in der Mikrowelle kein Fett hinzugesetzt werden muss und die Produkte dadurch fettärmer sind. Weiterhin ist der Energieverbrauch weitaus geringer als bei Erhitzung in Pfanne oder Backofen. Allerdings werden die Produkte in der Mikrowelle manchmal nicht so knusprig wie bei den anderen Zubereitungsverfahren.
dti: Am Ende entscheidet immer noch der Geschmack, ob ein Produkt beim Verbraucher ankommt. Wie steht es um die sensorische Qualität tiefgekühlter Lebensmittel?
Oehlenschläger: Nach Aussagen der Sachverständigen beim DLG-Wettbewerb „Tiefkühl-Erzeugnisse“ lassen sich viele verzehrsfertig zubereitete Tiefkühlgerichte in den sensorischen Eigenschaften (Geschmack, Geruch, Textur, Mundgefühl) nicht oder nur sehr schwer von frisch zubereiteten unterscheiden. Dies zeigt, dass mittlerweile ein sehr hohes Qualitätsniveau erreicht wurde.
dti: Gelingsicherheit ist ein entscheidender Vorteil von Tiefkühlkost. Aber was ist, wenn der Verbraucher die Zubereitungshinweise auf der Verpackung nicht beachtet? Was sind die häufigsten Fehler, die bei der Zubereitung entstehen? Und wie können diese vermieden werden?
Oehlenschläger: Der Verbraucher sollte die Zubereitungshinweise der Hersteller genau befolgen und nicht versuchen auf eigene Faust zu variieren. Die Zubereitungshinweise sind optimiert und nur bei strikter Befolgung ist ein Gelingen möglich. Das setzt aber auch voraus, dass die tatsächliche Temperatur zum Beispiel im Backofen mit der angezeigten oder eingestellten übereinstimmt. Wenn das nicht der Fall ist und Schwankungen von 20 Grad Celsius sind keine Seltenheit , muss die Zeit angepasst werden. Es ist deshalb immer empfehlenswert, ab und zu mal zu schauen, wie weit das Produkt beispielsweise gebräunt ist.
dti: Verpackungen sind mittlerweile weitaus mehr als der ausschließliche Schutz des Produktes. Neben der Funktionalität bietet die Verpackung zunehmend auch einen Zusatznutzen, zum Beispiel als Garbehälter oder Ersatz für den Teller. Welchen Trend sehen Sie hier bei Tiefkühlkost?
Oehlenschläger: Bei der Tiefkühlkost sind schon heute verschiedene Verpackungstypen im Gebrauch, die bei der Zubereitung miterhitzt werden können. Dies erleichtert dem Verbraucher die Arbeit, da zumeist nur noch die Umverpackung entfernt werden muss. Hierdurch wird das Produkt geschont und Verluste durch Ausschütten oder Ähnliches können vermieden werden. Der Trend geht dahin, dass die Behältnisse in Aussehen und
Farbe so gestaltet werden, dass sie als Ersatz für Teller dienen können wenn man dies mag.
dti: Welche Bedeutung haben Ihrer Meinung nach tiefgekühlte Bio-Produkte?
Oehlenschläger: Tiefgekühlte Bio-Produkte haben den gleichen Stellenwert wie Bio-Frischprodukte, da sie nach gleichen Kriterien angebaut oder gehalten werden. Das Segment im Tiefkühlbereich ist aber noch klein, da viele Verbraucher mit „Bio“ auch „frisch“ assoziieren.
dti: Von typisch deutsch bis international reicht die Bandbreite der Rezepturen, die tiefgekühlt angeboten werden. Dabei scheint Indien mit seinen kräftigen Gewürzen derzeit besonders angesagt zu sein. Welchen Stellenwert haben die exotischen Gerichte Ihrer Einschätzung nach im Tiefkühlangebot?
Oehlenschläger: Diese Gerichte mit teilweise sehr exotischen und scharfen bis sehr scharfen Würzungen sind besonders bei Tiefkühlfertiggerichten im Kommen und werden dort einen größeren Marktanteil erobern. Da diese Geschmacksnote aber bei der Mehrzahl der Verbraucher nicht sehr hoch geschätzt wird, wird das Segment überschaubar bleiben und nicht an die traditionelle „Hausmannskost“ heranreichen.
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