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Siegeszug der Tiefkühlkost beginnt am 6.3.1930
02.03.2009

Weltweit erstmals eiskalte Produkte im Handel

Am 6. März 1930 war es soweit: Weltweit konnten die Einwohner von Springfield im amerikanischen US-Bundesstaat Massachusetts erstmals verpackte Tiefkühlkost im Supermarkt kaufen. Im Angebot waren Gemüse, Obst und Fisch. Als Tiefkühl-Verkaufsgerät dienten die Eiskremtruhen, die damals schon im amerikanischen Handel standen.

Für den Einzug tiefgekühlter Lebensmittel in die Lebensmittelgeschäfte der Vereinigten Staaten sorgte der Meeresbiologe Clarence Birdseye. Bei seinen Forschungsreisen zwischen 1915 und 1922 nach Labrador erlebte er, wie Eskimos ihren Fisch und ihr Fleisch innerhalb von kürzester Zeit auf natürliche Art und Weise stocksteif gefroren: Sie hielten ihren frischen Fang und ihre gerade erlegte Beute einfach bei den tiefen Temperaturen von bis zu minus 45 Grad Celsius in den eisigen Wind. Der Fisch- und Fleischvorrat hielt den ganzen Winter – und das war das Entscheidende – schmeckte noch nach Wochen oder Monaten nach dem Auftauen wie frisch.

Birdseye war fasziniert von der Idee, Lebensmittel bei arktischen Temperaturen über einen längeren Zeitraum ohne Qualitätsverluste zu konservieren. Was die natürliche Kälte kann, muss auch mit künstlich erzeugter Kälte möglich sein, so lautete seine Vision. Sein Startkapital: sieben Dollar, ein elektrischer Ventilator, Eis und Salz. Der Naturwissenschaftler wurde zum Erfinder und entwickelte die erste Schockgefrieranlage, in der ganze Fische und Filets, Gemüse und andere Lebensmittel innerhalb kürzester Zeit schnell und gleichzeitig schonend tiefgefroren werden konnten.

Der Ursprung von „minus 18 Grad Celsius“
Dem umtriebigen Amerikaner reichte dieser Erfolg nicht aus. Der Geschäftsmann Birdseye sorgte dafür, dass Tiefkühlkost über das Lebensmittelgeschäft in die Hände der US-Verbraucher gelangte. Seine Produkte wurden kurzerhand in den Truhen mit Eiskrem den Kunden im Geschäft angeboten.

Auch bei dem für Tiefkühlkost typischen Temperaturhinweis „minus 18 Grad Celsius“ leistete er echte Pionierarbeit. Er wusste, dass auch bei geringeren Minus-Temperaturen als den arktischen minus 45 Grad Celsius, die Qualität von Tiefkühlkost über längere Zeit optimal erhalten bleibt. Sein Hinweis an die amerikanischen Verbraucher, die Hersteller und den Handel lautete: 0 Grad Fahrenheit als Lagertemperatur reicht aus. Diese amerikanische Temperaturangabe auf der Fahrenheit-Skala wurde in aller Welt übernommen und in Grad Celsius umgerechnet. Heraus kam: 0 Grad Fahrenheit entspricht „minus 18 Grad Celsius“.

Die Amerikaner waren begeistert von dem neuen Sortiment. Bereits 1937 kletterte der Verbrauch in den Vereinigten Staaten auf 170 000 Tonnen. Davon entfiel der Löwenanteil mit über 64 Prozent auf Obst und Gemüse. Ein Viertel davon war Fisch. Der Rest verteilte sich auf Geflügel und Fleisch. Auch heutzutage ist die Begeisterung der US-Bürger für Tiefkühlkost grenzenlos. Mit über 50 Kilogramm sind sie die Weltmeister im internationalen Verbrauchsvergleich von Tiefkühlkost.

Ernährungsmesse Anuga liefert Impuls in Deutschland
In Deutschland war 1955 der entscheidende Startschuss für Tiefkühlkost in Haushaltpackungen und zwar auf der Anuga in Köln. Dort stellten sechs Tiefkühlhersteller zum ersten Mal auf einer internationalen Ernährungsmesse in Deutschland ihre Produkte dem Handel vor. Ein weiteres wichtiges Signal ging 1956 vom „Köln-Bonner Truhentest“ aus. 400 Truhen stellten mutige Lebensmittelhändler aus der Rhein-Region in ihre Geschäfte, um die Resonanz ihrer Kunden auf die neuen Produkte zu testen. Die Aktion war ein voller Erfolg und Tiefkühlkost etablierte sich zunehmend bundesweit als Standardsortiment im Handel. 1960 war der Pro-Kopf-Verbrauch mit 400 Gramm noch etwas bescheiden. Mittlerweile verspeist jeder Bundesbürger im Durchschnitt über 38 Kilogramm – Tendenz steigend.

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