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Experteninterview mit Udo Perenz, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Tiefkühlinstitutes e.V., zur Entwicklung des deutschen Tiefkühlmarktes 2009


  1. Welche wirtschaftliche Bedeutung hat die Tiefkühlbranche in Deutschland?
    Mit einem Umsatzvolumen von mehr als 11 Milliarden Euro ist die Tiefkühlbranche eine tragende Säule der deutschen Lebensmittelwirtschaft. In den letzten zwanzig Jahren ist dieses Marktsegment überproportional gewachsen. Rückblickend auf die vergangenen fünf Jahre hat die Branche mit einem jährlichen Wachstum von knapp 4 Prozent eindrucksvoll bestätigt, dass sie zu den Wachstumsmotoren innerhalb der Lebensmittelwirtschaft gehört. Das Tiefkühlsortiment hat sich in den wesentlichen Leistungs-Indikatoren Absatz, Umsatz und Pro-Kopf-Verbrauch deutlich verbessert.

  2. Die Akzeptanz und der Verbrauch von Tiefkühlkost in Deutschland steigen kontinuierlich. Woran liegt das?
    Zugute kommt der Angebotsform Tiefkühlkost der gesellschaftliche Wandel, und zwar in zwei Bereichen: Zum einen gibt es in Deutschland immer mehr Single-Haushalte: Sie legen Wert auf Lebensmittel von hoher Qualität, die einfach und schnell zubereitet werden können. Hier ist Tiefkühlkost der ideale Partner. Zum anderen lebt unsere Gesellschaft immer leistungsorientierter – und diese Ansprüche zeigen sich auch bei der Ernährung. Lebensmittel müssen hochwertig, nährstoffreich und frisch sein und dabei leicht und zeitsparend zubereitet werden können. Die Tiefkühlkost profitiert außerdem davon, dass der Prozess des Schockgefrierens für mikrobiologische Sicherheit sorgt: Schonender und sicherer kann man Lebensmittel – ohne Zugabe von Konservierungsmitteln – nicht haltbar machen. Deshalb sind tiefgekühlte Produkte die perfekte Lösung und überzeugen immer mehr Verbraucher. Der conveniente Charakter der Tiefkühlkost kommt hier ebenfalls voll zum Tragen.

  3. Welche Produkte aus der Tiefkühltruhe führten 2009 die Beliebtheitsskala an? Wer sind die Hauptverwender von Tiefkühlprodukten?
    Wenn sich für das TK-Segment ein Ranking benennen ließe, dann hatten im vergangenen Jahr beim Verbraucher ganz klar die Produktgruppen TK-Pizza und TK-Gerichte die Nase vorn. Leichte Zuwächse konnten auch die Backwaren und Snacks aus der Kälte generieren. Also allesamt Segmente, deren Produkte einen hohen Conveniencegrad besitzen. Der Trend zur einfachen Handhabung und schnellen Zubereitung findet hier also seine Bestätigung. TK-Fisch und -Gemüse schnitten in 2009 nicht ganz so erfolgreich ab: Hier verzeichnete die Branche einen leichten Absatzrückgang.

    Hauptverwender von Tiefkühlkost sind die, die in den Familien für die Zubereitung der Mahlzeiten zuständig sind: Die so genannten Haushaltsführenden – damit also größtenteils Frauen. Wir sehen aber durchaus auch einen Trend „pro Tiefkühlkost“ bei Single-Haushalten.

  4. Warum ist die Nachfrage in Tiefkühlkost-Segmenten wie Fleisch, Kartoffeln und Fisch in den letzten Jahren nicht gestiegen?
    In diesen Segmenten muss man differenzieren, wo und vor allem wodurch das Absatzvolumen stagniert. Teilweise betrifft es nur bestimmte Produkte eines Segments, mit negativen Auswirkungen auf die Gesamtabsatzmenge: So beispielsweise bei den Kartoffelerzeugnissen. Hier waren in erster Linie die Pommes frites – und das vornehmlich im GV-Bereich – dafür verantwortlich, dass diese Produktgruppe bei Betrachtung des Gesamtmarktes einen leichten Absatzrückgang zu verzeichnen hatte. Der Verzehr von Kartoffelerzeugnissen zuhause war mit einem leichten Wachstum insgesamt mehr als stabil. Für die etwas geringere Nachfrage nach Fleisch, Kartoffelerzeugnissen und Fisch im GV-Bereich gibt es mehrere Gründe: Im vergangenen Jahr war eine deutliche Zurückhaltung der Verbraucher in punkto Außer-Haus-Verzehr spürbar – zum Leidwesen der Gastronomie und im Umkehrschluss auch der Tiefkühlwirtschaft. Zudem verzeichneten viele Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung rückläufige Besucherzahlen – nicht zuletzt durch die erheblich angestiegenen Kurzarbeitsperioden in Deutschland. Hierdurch hat die TK-Branche die wirtschaftlichen Turbulenzen also auch ansatzweise zu spüren bekommen.
  5. Welche Trends sind im Tiefkühlmarkt erkennbar?
    Wir stellen fest, dass die Verbraucher bei Tiefkühlkost immer mehr zu Marken- und Premium-Produkten greifen. Außerdem schätzen sie die hohe Qualität und den besonderen Frische-Vorteil, den tiefgekühlte Produkte bieten. Am Beispiel der Backwaren lässt sich dies sehr gut begründen: Tiefgekühlte Kuchen und Torten erfüllen immer mehr den Frische-Anspruch der Verbraucher und sind optisch und geschmacklich absolut vergleichbar mit Produkten aus Bäckerei und Konditorei. Ein unabdingbarer Vorteil der Tiefkühlkost kommt hier natürlich auch zum Tragen: Die ständige Verfügbarkeit durch die Bevorratung im heimischen Tiefkühlfach. Außerdem gibt es in diesem Bereich ein sehr abwechslungsreiches Produktangebot mit zahlreichen Innovationen. Dafür zeichnet sich die Branche aber in allen Produktgruppen aus.

  6. Durch welche Innovationen versucht die Branche die Nachfrage zu stärken?
    Die Hersteller engagieren sich permanent, um aktuelle, verbraucherrelevante Trends aufzugreifen und damit stets am Puls der Zeit zu sein. In 2010 werden ganz sicher wieder zahlreiche Produkt-Innovationen in den Tiefkühltruhen des Lebensmittelhandels auftauchen. Angesichts von limitierten Lagerflächen – sowohl im Handel, als auch in den heimischen Tiefkühltruhen – muss das Bestreben der Branche darin bestehen, die Umschlaggeschwindigkeit, das heißt den Konsum der Produkte zu erhöhen. Die Branche wird also nicht stillstehen, wenn es um die Neu- und Weiterentwicklung ihrer Produkte geht. Außerdem ist das Deutsche Tiefkühlinstitut bemüht, dem Verbraucher die originären Vorteile der Tiefkühlkost näher zu bringen. Dafür wurde im September letzten Jahres eine Kampagne der deutschen Tiefkühlwirtschaft ins Leben gerufen. Die Botschaft, die wir hierüber verbreiten wollen, lautet: „Tiefkühlkost ist frischer als frisch!“. Im Web kann jeder interessierte Verbraucher unter www.frischer-als-frisch.de viel Wissenswertes über Tiefkühlkost nachlesen.

  7. Wie können Einzelhändler die Warenpräsentation in der Tiefkühlabteilung optimieren, um auch den Umsatz anzukurbeln?
    Wichtige Kriterien für den erfolgreichen Verkauf von Tiefkühlprodukten sind natürlich ein ansprechendes Verpackungsdesign und eine übersichtliche, nach Produktkategorien sortierte Anordnung in den Tiefkühltruhen des Handels. Außerdem werden die früher oftmals sehr „kühl“ wirkenden Tiefkühlabteilungen im Handel durch gestalterische Komponenten wie beispielsweise Licht und Bildmotive emotional aufgeladen, so dass sie mehr und mehr zum Verweilen einladen. Für Verbraucher wird auch der Einkauf in der TK-Abteilung immer mehr zu einem Einkaufserlebnis und sie sind nicht mehr bemüht, der „kalten Zone“ im Einkaufsmarkt möglichst schnell wieder zu entfliehen. Das verkäuferische Umfeld muss insgesamt attraktiver gestaltet werden.

  8. Wie hat sich Tiefkühlkost in der Gastronomie (Außer-Haus-Markt) entwickelt?
    Der Verbrauch von Tiefkühlkost im Außer-Haus-Markt ist äußerst stabil – mit leicht steigender Tendenz. TK-Backwaren, vor allem Brötchen sowie tiefgekühlte Gerichte sind hier auf dem Vormarsch. Insbesondere Teilgerichte, die weiter von der Großküche verfeinert werden, und Soßen sind Dank ihrer hohen Qualität und dem originären Convenience- und Frische-Aspekt für Gastronomen und die Gemeinschaftsverpflegung zu unverzichtbaren Begleitern in der Küche geworden.

  9. Zum Abschluss eine Prognose: Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung des Tiefkühlmarktes in Deutschland generell ein?
    Ich bin davon überzeugt, dass das Wachstumspotential der Branche bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Treiber dieser positiven Entwicklung wird in erster Linie die gelebte Frische der TK-Produkte sein. Ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis, die totale Saisonunabhängigkeit – mit 52 Wochen Verfügbarkeit im Jahr – sowie die Innovationslust und -kompetenz der Branche werden diesen Trend maßgeblich unterstützen.


Abdruck honorarfrei, Beleg erbeten:
Deutsches Tiefkühlinstitut e.V.
Carola Herckelrath, Bonner Str. 484-486
50968 Köln
Tel.: +49 (0) 2 21 / 93 74 8-18
Fax: +49 (0) 2 21 / 9 37 48-22
Mail: herckelrath@tiefkuehlkost.de

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