Bundestagswahl 2021

Die Wahlprüfsteine der Tiefkühlwirtschaft
dti magnete tk gemüse

Zur Begleitung der Bundestagswahl 2021 hat das dti zum ersten Mal in seiner Geschichte Wahlprüfsteine für die Tiefkühlindustrie erarbeitet. In zehn Kapiteln stellt das Deutsche Tiefkühlinstitut die wichtigsten politischen Schwerpunkte im Bereich Energie-, Klima-, Wirtschafts- und Ernährungspolitik für die Tiefkühlbranche dar und formuliert zentrale Forderungen für eine zukunftsfähige Tiefkühlwirtschaft an die Politik. Die 10 Punkte der Tiefkühlbranche zur Bundestagswahl finden Sie hier

Basierend auf den Prüfsteinen der Tiefkühlwirtschaft für die kommende Legislaturperiode hat das Deutsche Tiefkühlinstitut 8 Fragen an die Parteien formuliert. Die Antworten von den Parteien CDU/CSU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke haben wir hier für Sie zusammengestellt:

  • CDU/CSU


      dti<br />

    •   Wie möchte Ihre Partei eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion und -konsum erreichen? Welche Rolle spielen dabei marktwirtschaftliche Instrumente?

      "CDU und CSU wollen eine nachhaltige Landwirtschaft ermöglichen und honorieren. Unser Ziel ist, den Landbau ökologisch verträglich und ökonomisch tragfähig weiterzuentwickeln – in Kooperation mit der Landwirtschaft und nicht gegen sie. Die Klimaleistungen und die Beiträge der Landwirtschaft zum Natur- und Artenschutz müssen bei zukünftigen politischen Entscheidungen berücksichtigt und auch honoriert werden. Alle Formen des nachhaltigen Landbaus müssen profitieren – ökologisch wie konventionell.
      Gute Ernährung beginnt mit Wertschätzung von Landwirtschaft und Lebensmitteln. Deshalb wollen wir eine Nationale Lebensmittel-Agentur auf den Weg bringen, die für heimische regionale Produkte, unsere hohen Standards und unsere Art zu produzieren wirbt. Wir wollen, dass allen ein möglichst gesundes und nachhaltiges Leben gelingt. Dafür braucht es Ernährungskompetenz und Motivation sowie gut zugängliche, passende Angebote. Es soll für Jede und Jeden beim Einkauf und beim Essen außer Haus möglich sein, eine gesunde Wahl zu treffen. Ernährungsbildung, Sport sowie Zugang zu gutem Kita- und Schulessen sollen für jedes Kind gewährleistet sein. "

    • Was möchte Ihre Partei tun, um Anreize für weitere Klimaschutzmaßnahmen zu geben? Welche Möglichkeiten sieht Ihre Partei, die Tiefkühlwirtschaft auf ihrem Weg zur Klimaneutralität unterstützen?

      "Wir wollen jetzt, in diesem Jahrzehnt, die entscheidenden Schritte gehen, damit Deutschland bis 2045 ein klimaneutrales Industrieland wird. Auf dem Weg zur Klimaneutralität setzen wir auf effiziente marktwirtschaftliche Instrumente als
      Leitinstrumente innerhalb eines Instrumentenmixes. Wir werden beim Klimaschutz entscheidend weiterkommen, wenn wir auf Innovationen und neue Technologien setzen. Dabei wollen wir sowohl Unternehmen als auch Verbraucherinnen und Verbraucher unterstützen. Sie müssen bei Konsum- und Produktionsentscheidungen auch auf einen Blick nachvollziehen können, welche CO2-Bilanz ein Produkt hat. Wir werden die Digitalisierung nutzen, um kosteneffizienter CO2 zu verringern und Startups sowie kleine und mittlere Unternehmen fördern, die digitale Lösungen für Energie- und Ressourceneffizienz entwickeln. Wir wollen insbesondere die Clean-Tech-Forschung fördern. Klimaneutralität wird ein Wettbewerbsvorteil unserer Wirtschaft werden. Investitionen in Klimatechnologien und Energieeffizienz zur CO2-Reduktion sollen künftig steuerlich besser abgesetzt werden können."

    • Wie möchte Ihre Partei wettbewerbsfähige Energiepreise in Deutschland erreichen? Welche Maßnahmen plant Ihre Partei, für eine Energiewende mit echten Anreizen für regenerative Energie als Ersatz für die EEG-Umlage?

      "Wir müssen für bezahlbaren Strom sorgen. Deshalb werden wir die regulatorischen Kosten senken. Die Einnahmen aus dem Emissionshandel werden wir in vollem Umfang an die Betriebe und die Bürgerinnen und Bürger durch Stromverbilligung zurückgeben. Als erstes schaffen wir hierfür die EEG-Umlage ab. Mit Blick auf die Wettbewerbssituation unserer Industrie brauchen wir einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis. Wir wollen aber auch Energieeffizienz fördern und setzen hier vor allem auf technologische Weiterentwicklung und Innovationen – bei Produkten ebenso wie bei Verfahren."

    • Wie will Ihre Partei eine starke, nachhaltige Landwirtschaft in Deutschland erhalten und so die Rohstoffversorgung für die Tiefkühlwirtschaft sichern?

      "Eine starke und nachhaltige Landwirtschaft einschließlich Obst-, Gemüse-, Garten-, Weinbau sowie Imkerei und Fischerei ist in einem lebenswerten Deutschland unverzichtbar. Mit der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ist ein Systemwechsel erfolgt hin zu mehr ökologischer Nachhaltigkeit. Uns ist wichtig, dass die GAP gleichzeitig einkommenswirksam bleibt. Wir wollen der Landwirtschaft auch ermöglichen mit neuen Techniken, Digitalisierung und molekularbiologischen Züchtungstechnologien, noch umweltfreundlicher und produktiver zu wirtschaften. Zur Sicherung der Tierhaltung werden wir ein Tierwohlstall-Förderungsgesetz erlassen und den Umbau der Nutztierhaltung auf Grundlage der Empfehlungen der Borchert-Kommission unterstützen.Wir werden auch den Ökolandbau weiter verlässlich fördern. Die wachsende Nachfrage der Verbraucher soll möglichst mit heimischer Ware gedeckt werden können. Wir werden die Betriebe bei der Anpassung an den Klimawandel mit der Entwicklung angepasster Anbaumethoden, ressourcenschonenderen Bewässerungstechnologien und einem verbesserten Wassermanagement begleiten und sie mit Zuschüssen zu Mehrgefahrenversicherungen unterstützen, sich gegen Risiken abzusichern."

    • Welche Schwerpunkte will Ihre Partei in der Ernährungs- und Verbraucherpolitik setzen? Welche Rolle spielen die Produkte der Lebensmittelindustrie aus Ihrer Sicht für die Ernährung?

      "In der Ernährungs- und Verbraucherpolitik werden wir insbesondere
      • die Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz in verarbeiteten Lebensmitteln fortsetzen,
      • den Nutri-Score nun auch auf europäischer Ebene umsetzen,
      • unsere breit aufgestellte ernährungswissenschaftliche Forschung weiter ausbauen und die Kommunikation über Ernährung verstärken.

      Die Verbraucherinnen und Verbraucher sollen klar erkennen können, was in den Lebensmitteln steckt, woher sie kommen und wie sie erzeugt wurden. Deshalb wollen wir
      • eine verpflichtende europäische Haltungs-/Tierwohlkennzeichnung und eine besser erkennbare Herkunftskennzeichnung für mehr Lebensmittel.
      • Regionalität besser sichtbar machen.

      Wir werden das sogenannte Regionalfenster als Kennzeichnung weiterentwickeln und mehr Klarheit bei regionalen Lebensmitteln schaffen sowie ergänzend zum Öko-Siegel ein Nachhaltigkeitssiegel für konventionelle Agrarprodukte entwickeln."


    • Wie können faire Wettbewerbsbedingungen entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette geschaffen werden, vor allem für mittelständische Unternehmen gegenüber dem Handel?

      "Marktpreise müssen fair sein und den Erzeugern ein auskömmliches Einkommen ermöglichen. Die Markt- und Produktionsrisiken dürfen nicht beim Erzeuger alleine liegen. Wir wollen eine faire Lieferkette mit Marktverantwortung von Verarbeitungsebene und Handel fördern. Mit der Umsetzung der UTP-Richtlinie haben wir unfaire Handelspraktiken, wie kurzfristige Stornierungen, erzwungene Rabatte usw. verboten. Die Entwicklung werden wir intensiv begleiten und wenn nötig weiter regulierend eingreifen. Den in den letzten Monaten intensivierten Dialog zwischen Landwirtschaft und Handel, der etwa zur zentralen Koordinierungsstelle Handel/Landwirtschaft geführt hat, sehen wir als wichtigen Baustein eines Systems zur stärkeren Beteiligung der Landwirte an der Wertschöpfung, welchen wir kartellrechtlich absichern wollen"

    • Welche Initiativen plant Ihre Partei, um die Lebensmittelverschwendung weiter zu reduzieren?

      "Unsere Nahrungsmittel sind unsere Lebensgrundlage. Sie dürfen aus ethischen, ökologischen und auch wirtschaftlichen Gründen nicht achtlos verschwendet werden. 12 Millionen Tonnen weggeworfene Lebensmittel pro Jahr – 75 Kilogramm pro Person sind entschieden zu viel. Unser klares Ziel ist die Halbierung bzw. deutliche Reduzierung der Lebensmittelverschwendung bis 2030. Der Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung werden wir deshalb noch mehr Nachdruck verleihen und alle Beteiligten, insbesondere auch junge Menschen, sensibilisieren. 6 Wir werden Lebensmittelspenden an die Tafeln, soziale Einrichtungen und Organisationen, die Lebensmittel retten, vereinfachen – soweit nötig auch durch gesetzliche Änderungen. Auch werden wir die Anpassung des Mindesthaltbarkeitsdatums prüfen und die Entwicklung von Apps und anderen digitalen Hilfsmitteln, zum Beispiel zur automatischen Preissenkung für Produkte nahe am Ablaufdatum, und innovative Verpackungslösungen, die zum Beispiel die Genießbarkeit anzeigen, fördern."

    • Wie steht Ihre Partei zu freiwilligen Selbstverpflichtungen der Wirtschaft, um gemeinsam politische Ziele zu erreichen?

      "Bürokratievermeidung und -abbau müssen in der nächsten Bundesregierung Kernaufgaben werden. Es ist nicht damit getan, einzelne Regelungen zu überdenken. Wir benötigen einen Abbau von Komplexität. Erfolgreicher Bürokratieabbau besteht darin, neue und überflüssige Regelungen gar nicht erst entstehen zu lassen. Dazu können freiwillige Selbstverpflichtungen einen wichtigen Beitrag leisten, wenn sie eine hinreichende Verbindlichkeit entfalten und gemeinsame Ziele damit effektiv erreicht werden."


  • SPD


      dti

    • Wie möchte Ihre Partei eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion und -konsum erreichen? Welche Rolle spielen dabei marktwirtschaftliche Instrumente?

      "Es muss für Alle einfacher werden, sich gesund und nachhaltig zu ernähren. Viele Studien (OECD, WHO …) zeigen, dass insbesondere in Deutschland unausgewogen gegessen wird, und ernährungsbedingte Krankheiten zunehmen.Die WHO legte bereits 2015 Maßnahmen vor, mit denen die EU-Länder die sozialen Ungleichheiten im Zugang zu gesunder Nahrung abbauen sollen, u.a. klare Nährwertkennzeichnung, Verbesserung des Ernährungswissens, gesundes Lebensmittelangebot an Schulen, Kantinen und im Handel, Verbot der Kinderwerbung für ungesunde Lebensmittel.

      An diesen Maßnahmen orientieren wir uns. Mit der Einführung des Nutriscore als klare und leicht verständliche Nährwertkennzeichnung haben wir bereits einen wichtigen Schritt getan und werden uns auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass er verbindlich wird. ucker, Fett und Salz in verarbeiteten Lebensmitteln müssen deutlicher als bisher reduziert werden, die Reduktionsstrategie muss verbindlich werden. Für sog. Kinderlebensmittel sollte das von der WHO in 2015 erstellte europäische Nährwertprofil für ernährungsphysiologisch ausgewogene Lebensmittel gelten, und an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel muss unterbunden werden. (siehe auch https://www.spdfraktion.de/system/files/documents/fraktionsbeschluss_ernaehrungsarmut_20201103.pdf)

      Die nachhaltigere Wahl sollte für Verbraucher*innen leicht erkennbar sein und der Zugang zu gesunden und nachhaltigen Lebensmitteln sollte überall – einschl. der Gemeinschaftsverpflegung - verbessert werden. Dazu gehört auch das Angebot an pflanzlichen Alternativen zu tierischen Produkten, denn in Deutschland wird doppelt so viel Fleisch gegessen, wie von der DGE empfohlen. Weniger Fleisch schützt Gesundheit und Klima."

    • Was möchte Ihre Partei tun, um Anreize für weitere Klimaschutzmaßnahmen zu geben? Welche Möglichkeiten sieht Ihre Partei, die Tiefkühlwirtschaft auf ihrem Weg zur Klimaneutralität unterstützen?

      "Wir werden das Abgaben- und Umlagesystem im Energiesektor novellieren, um die Belastungen auf den Stromverbrauch zu senken. Die EEG-Umlage soll bis 2025 auf null heruntergefahren werden. Damit muss auch der Verbrauch von eigenerzeugtem Strom einen neuen Stellenwert erhalten. Neben der Nutzung von Eigenstrom wollen wir über eine entsprechende Preisgestaltung die Flexibilität in der Stromabnahme von Kühltruhen bzw. Kühlhäusern anreizen, um u.a. die Abnahme von Strom aus dem Netz in den Mittagsspitzen, die durch die hohe Einspeisung von Solaranlagen entstanden sind, attraktiv zu machen. Unterstützt durch die CO2-Bepreisung sehen wir auch Spielraum, die Abwärme der Kühlaggregate für die Wärmeversorgung zu nutzen."

    • Wie möchte Ihre Partei wettbewerbsfähige Energiepreise in Deutschland erreichen? Welche Maßnahmen plant Ihre Partei, für eine Energiewende mit echten Anreizen für regenerative Energie als Ersatz für die EEG-Umlage?

      "Wir wollen ein Marktdesign aufbauen, das den Überschuss bzw. die Knappheit von erneuerbaren Energien wiederspiegelt. Dann können sowohl steuerbare EE-Anlagen wie z.B. Biogas-, Wasserkraft- und Geothermie ihre Stromerzeugung auf die Nachfrage ausrichten, als auch auf der Nachfrageseite entsprechende Verbrauchsanlagen angebotsorientiert gefahren werden. Dies ist nur mit einem passenden Marktdesign ohne EEG-Umlage wirtschaftlich darstellbar."

    • Wie will Ihre Partei eine starke, nachhaltige Landwirtschaft in Deutschland erhalten und so die Rohstoffversorgung für die Tiefkühlwirtschaft sichern?

      "Die SPD will eine zukunftsfähige, umweltschonende und gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft. Fruchtbare Böden, eine hohe biologische Vielfalt, reine Luft und sauberes Wasser sind die natürlichen Ressourcen, die es zu schützen gilt. Wir brauchen einen grundlegenden Systemwechsel, weg von der bisherigen Exportorientierung und hin zu regionalen Nährstoff- und Wirtschaftskreisläufen. Dies kann nur gelingen, wenn wir die zukünftige Entwicklung konsequent auf eine gesunde und nachhaltige Ernährung, den Schutz von Umwelt, Tieren und Klima sowie den ökonomisch tragfähigen Erhalt unserer vielgestaltigen Agrarlandschaft ausrichten."

    • Welche Schwerpunkte will Ihre Partei in der Ernährungs- und Verbraucherpolitik setzen? Welche Rolle spielen die Produkte der Lebensmittelindustrie aus Ihrer Sicht für die Ernährung?

      "siehe Frage 1"

    • Wie können faire Wettbewerbsbedingungen entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette geschaffen werden, vor allem für mittelständische Unternehmen gegenüber dem Handel?

      "Viele Unternehmen verhalten sich bereits fair in der Lieferkette. Wo sich jedoch der Lebensmitteleinzelhandel auf große Unternehmensgruppen konzentriert, besteht das Risiko von missbräuchlichen Verhaltensweisen, gerade gegenüber den mittelständischen Herstellern. Um hier für mehr Fairness zu sorgen, haben wir mit der Umsetzung der sog. UTP-Richtlinie einige besonders schädliche Verhaltensweisen gesetzlich verboten. Zudem hat die SPD die Einrichtung einer unabhängigen Ombudsstelle für mehr Fairness in der Lebensmittelkette durchgesetzt. An sie werden sich Alle anonym wenden können, die von unfairen Verträgen und Dumpingpreisen betroffen sind. Die Beobachtungen der Ombudsstelle zu Geschäftsgebaren und Preisentwicklung sollen zur Verbesserung der rechtlichen Regelungen beitragen."

    • Welche Initiativen plant Ihre Partei, um die Lebensmittelverschwendung weiter zu reduzieren?

      "Zur Eindämmung der Lebensmittelverschwendung muss die gesamte Wertschöpfungskette von der Erzeugung bis hin zu den Verbraucher*innen ihren Beitrag leisten, denn das ist die wichtigste Maßnahme für eine nachhaltigere Lebensmittelwirtschaft und Ernährung. Die SPD hat dazu einen Maßnahmenkatalog erarbeitet, siehe https://www.spdfraktion.de/system/files/documents/positionspapier-lebensmittelverschwendung-auf-allen-ebenen-bekaempfen-20200505.pdf."

    • Wie steht Ihre Partei zu freiwilligen Selbstverpflichtungen der Wirtschaft, um gemeinsam politische Ziele zu erreichen?

      "Ein gemeinsames Verständnis für die Erreichung politischer Ziele mit den betroffenen Wirtschaftskreisen ist grundsätzlich sicher sehr zu begrüßen und kann einen wichtigen Beitrag leisten. Des Öfteren jedoch zeigte sich, dass am Ende doch gesetzliche Regelungen notwendig waren, gerade auch bei der Umsetzung von vorrangigem EU-Recht."


  • Bündnis 90/Die Grünen


      dti<br />

    • Wie möchte Ihre Partei eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion und -konsum erreichen? Welche Rolle spielen dabei marktwirtschaftliche Instrumente?

      "Wie wir unsere Lebensmittel herstellen, ist von zentraler ökologischer Bedeutung, aber auch wichtig für unsere Lebensqualität. Daher machen wir GRÜNE uns für eine Agrar- und Ernährungswende stark - hin zu einer Landwirtschaft, die das Klima und die biologische Vielfalt schützt und uns mit guten, gesunden Lebensmitteln versorgt. Umsteuern ist aber auch bei unseren Ernährungsgewohnheiten unausweichlich. Gesunde und nachhaltige Lebensmittel sollen allen Menschen leicht zugänglich sein. Dafür wollen wir die politischen Rahmenbedingungen setzen und verschiedene Instrumente nutzen: angefangen bei Agrarförderung und -politik, über bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln bis hin zur Unterstützung von Kitas, Schulen und Kantinen bei der Umstellung auf nachhaltiges und gesundes Essen."

    • Was möchte Ihre Partei tun, um Anreize für weitere Klimaschutzmaßnahmen zu geben? Welche Möglichkeiten sieht Ihre Partei, die Tiefkühlwirtschaft auf ihrem Weg zur Klimaneutralität unterstützen?

      "Für die Transformation und Dekarbonisierung der Tiefkühlwirtschaft ist erneuerbarer Strom die Basis. Wir GRÜNE unterstützen die Branche durch einen schnellen und massiven Ausbau der erneuerbarer Energien. Es soll sich für zudem für Unternehmen auch lohnen, mit (potentiell) flexiblem Stromverbrauch auf die Preissignale der Strombörse und somit auf die Verfügbarkeit von Wind und Sonne im allgemeinen Strommarkt zu reagieren und damit auch die Energiewende zu unterstützen. Dafür schaffen wir die Voraussetzungen. Wir wollen den Weg in die Treibhausgasneutralität durch einen klugen Mix aus Förderprogrammen, Ordnungsrecht und Preissignalen beschreiten. Ein wirksamer CO2-Preis auf fossile Energieträger macht Klimaschutz sofort lohnend, Förderprogramme helfen beim Umstieg auf klimafreundliche Technologien und Verfahren und über das Ordnungsrecht setzen wir die Standards, damit die notwendigen Technologien angeboten werden."

    • Wie möchte Ihre Partei wettbewerbsfähige Energiepreise in Deutschland erreichen? Welche Maßnahmen plant Ihre Partei, für eine Energiewende mit echten Anreizen für regenerative Energie als Ersatz für die EEG-Umlage?

      "Wir GRÜNE wollen den Wirtschaftsstandort Deutschland und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie sichern. Die Basis dafür ist ein deutlich höherer Ausbau der Erneuerbaren. Wettbewerbsfähige Strompreise spielen dabei ebenfalls eine zentrale Rolle. Mit einer umfassenden Steuer- und Abgabenreform sowie mit der Senkung der EEG-Umlage aus den Einnahmen der CO2-Bepreisung wollen wir für verlässliche und faire Strompreise sorgen. Und mit einem Mix aus CO2-Preis, Anreizen und Förderung sowie Ordnungsrecht wollen wir die Schäden der fossilen Energieträger einpreisen und den Ausbau und die Nutzung der Erneuerbaren stärken. Denn klimafreundliche Alternativen müssen sich finanziell lohnen. Damit wollen wir die Erneuerbaren auch in den Mittelpunkt unseres Energiemarkts stellen. Zudem bedarf es verlässlicher Rahmenbedingungen für die Finanzierung für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren, u.a. wollen wir langfristige Lieferverträge stärken."

    • Wie will Ihre Partei eine starke, nachhaltige Landwirtschaft in Deutschland erhalten und so die Rohstoffversorgung für die Tiefkühlwirtschaft sichern?

      "Wir GRÜNE wollen Umwelt-, Tier-, Klima- und Gewässerschutz und landwirtschaftliche Erzeugung miteinander versöhnen und so die Landwirtschaft fit für die Zukunft machen. Das geht nur mit der Natur zusammen und mit einem Verständnis von Natur, das sich an Kreisläufen orientiert und sich dem Ressourcenschutz verpflichtet sieht. Das bedeutet fruchtbare Böden, sauberes Wasser und intakte Ökosysteme, aber auch faire Bezahlung von Landwirt*innen. Wir werden vielfältige Fruchtfolgen und widerstandsfähige Anbausysteme wie Agroforst ebenso stärken wie die Nutzung von robusten Pflanzensorten und Tierrassen. Digitale Anwendungen können bei entsprechender Ausrichtung die Landwirtschaft umwelt- und klimafreundlicher machen, müssen aber auch – zum Beispiel über Sharing-Konzepte - kleineren Betrieben offenstehen und bezahlbar sein. Den Ökolandbau wollen wir umfangreich fördern und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass künftig immer mehr Bäuer*innen und Lebensmittelhersteller umstellen."

    • Welche Schwerpunkte will Ihre Partei in der Ernährungs- und Verbraucherpolitik setzen? Welche Rolle spielen die Produkte der Lebensmittelindustrie aus Ihrer Sicht für die Ernährung?

      "Unsere Ziele in der Ernährungspolitik sind gutes, gesundes und bezahlbares Essen für alle, ein nachhaltiger Umgang mit unseren Ressourcen und konsequenter Verbraucher*innenschutz. Ernährungsbedingte Krankheiten aufgrund von Fehlernährung wollen wir GRÜNE gezielt eindämmen. Gutes Essen scheitert viel zu oft an mangelndem Angebot oder Transparenz. Daher sehen wir auch die Lebensmittelindustrie in der Pflicht für ein nachhaltiges und gesundes Lebensmittelangebot, für transparente Kennzeichnung und verantwortungsvolles Marketing. Gegen zu viel Zucker, Salz und Fett halten wir verbindliche Reduktionsstrategien für notwendig. Den Nutri-Score wollen wir auf EU-Ebene verbindlich einführen. Bereits jetzt sollten die Anbieter ihn freiwillig nutzen, um Verbraucher*innen eine einfache Orientierung über den Nährwert ihrer Produkte zu geben. Für Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet, wollen wir klare Regeln, die sich an den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation orientieren."

    • Wie können faire Wettbewerbsbedingungen entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette geschaffen werden, vor allem für mittelständische Unternehmen gegenüber dem Handel?

      "Wettbewerb ist eine elementare Voraussetzung für funktionierende Märkte. Unser Ziel ist es, den fairen Wettbewerb zu sichern und Verbraucher*innen sowie Unternehmer*innen vor Missbrauch von Marktmacht und unlauterem Wettbewerb zu schützen. Im Lebensmittelmarkt dominieren vier große Supermarktketten den Einzelhandel. Diese Marktkonzentration, die zu weniger Auswahl für Verbraucher*innen und mehr Preisdruck auf Lebensmittelproduzenten und Landwirte führt, halten wir GRÜNE für problematisch. Daher haben wir die europäische Richtlinie über unlautere Handelspraktiken in der Lebensmittelversorgungskette begrüßt. Bei der Umsetzung in deutsches Recht hätten wir uns allerdings weitergehende Regelungen gewünscht. Wir wollen durch eine Generalklausel sicherstellen, dass jegliches unfaires Handeln verboten wird statt nur der im Gesetz benannten Praktiken. Außerdem wollen wir prüfen, wie der Verkauf von Lebensmitteln unterhalb der Produktionskosten untersagt werden kann."

    • Welche Initiativen plant Ihre Partei, um die Lebensmittelverschwendung weiter zu reduzieren?

      "Lebensmittelverschwendung ist nicht nur aus ethischer Sicht unverantwortlich, ist auch unwirtschaftlich und geht massiv zu Lasten von Umwelt und Klima. Bis zu einem Drittel der weltweiten Nahrungsproduktion geht auf dem Weg zwischen Acker und Teller verloren. Wir GRÜNE wollen mit einem Rettet-die Lebensmittel-Gesetz verbindliche Reduktionsziele einführen und Lebensmittelhandel und -produzenten verpflichten, genusstaugliche Lebensmittel weiterzugeben statt wegzuwerfen. Das Spenden von Lebensmitteln an gemeinnützige Organisationen wollen wir erleichtern und klarstellen, dass für sie keine Umsatzsteuer anfällt."


    • Wie steht Ihre Partei zu freiwilligen Selbstverpflichtungen der Wirtschaft, um gemeinsam politische Ziele zu erreichen?

      "Wir GRÜNE befürworten freiwillige Selbstverpflichtungen der Wirtschaft, wenn sie effektiv zu mehr Klima-, Umwelt-, Gesundheits- oder Verbraucher*innenschutz führen. Ausschlaggebend sind dafür unter anderem, wie wirksam und transparent die Maßnahmen sind, wie hoch die Beteiligung innerhalb der Branche ist und wie die vereinbarten Maßnahmen kontrolliert bzw. im Zweifel sanktioniert werden. Wo Selbstverpflichtungen nicht greifen, müssen jedoch gesetzliche Regelungen getroffen werden."



  • FDP


      dti

    • Wie möchte Ihre Partei eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion und -konsum erreichen? Welche Rolle spielen dabei marktwirtschaftliche Instrumente?

      "Wir Freie Demokraten wollen Landwirtinnen und Landwirte unabhängig von Agrarzahlungen machen und sie von überbordender Bürokratie entlasten. Die europäische Agrarpolitik braucht ein Update. Wir wollen weg von flächenbezogenen Direktzahlungen und hin zu mehr zukunftssichernder Investitionsförderung sowie Forschung. Wir wollen einheitliche Wettbewerbsstandards in der EU und fordern den sukzessiven Abbau der EU-Agrarsubventionen. Das Genossenschaftsrecht wollen wir reformieren. Nur mit fairen Wettbewerbsbedingungen für alle im gemeinsamen Binnenmarkt können wir die Abwanderung der landwirtschaftlichen Produktion und der Weiterverarbeitung der Lebensmittel ins Ausland verhindern. Auch global setzen wir uns für Wettbewerb mit fairen Rahmenbedingungen ein. Deshalb wollen wir, dass die Welthandelsorganisation sich dafür einsetzt, stärker auf Marktwirtschaft und weniger Bürokratie zu setzen, sodass Landwirte weltweit unabhängig von staatlichen Subventionen wettbewerbsfähig wirtschaften können. Bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen brauchen wir eine marktwirtschaftliche Preisbildung in der gesamten Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Einzelhandel. Die fortschreitende Konzentration von Marktmacht schadet dem Wettbewerb. Handelshemmnisse für Landwirte und Weinbauern wollen wir darüber hinaus abbauen.

      Ebenso treten wir für eine verantwortungsvolle Haltung von Nutztieren ein. Dabei setzen wir auf rechtsstaatliche Kontrollen und wirksame Modernisierungsschritte in der Tierhaltung, die auch kleine und mittlere Betriebe mitgehen können. Damit auch die Verbraucherinnen und Verbraucher beim Kauf tierischer Erzeugnisse Verantwortung übernehmen können, müssen Haltungsbedingungen klar erkennbar sein. Um das zu gewährleisten, setzen wir uns für ein einfaches, transparentes und verpflichtendes Tierwohllabel in der gesamten Europäischen Union und mittelfristig für europaweit einheitliche Tierschutzstandards ein. Tierschutz und Tierwohl sind für uns eine Selbstverständlichkeit. Für uns ist Tierwohl keine Frage der Stallgröße, sondern des Zustands des einzelnen Tieres. Die Tierschutzstandards auf Höfen müssen regelmäßig und mindestens alle fünf Jahre kontrolliert werden. Damit Landwirtinnen und Landwirte Investitionsentscheidungen für mehr Tierwohl planen können, brauchen sie zudem verlässliche Rahmenbedingungen. Widersprüche zwischen konkurrierenden Rechtsbereichen wie zwischen dem Tierwohl und Immissionsschutz müssen aufgelöst werden. Die überholte Anbindehaltung wollen wir schrittweise überwinden."

    • Was möchte Ihre Partei tun, um Anreize für weitere Klimaschutzmaßnahmen zu geben? Welche Möglichkeiten sieht Ihre Partei, die Tiefkühlwirtschaft auf ihrem Weg zur Klimaneutralität unterstützen?

      "Wir Freie Demokraten wollen deutsche Unternehmen vor Wettbewerbsverzerrungen durch klimapolitische Maßnahmen schützen. Ziel muss ein über den europäischen Emissionshandel (EU-ETS) hinaus international abgestimmtes Vorgehen beim Klimaschutz mit einheitlichem CO2-Preis für alle sein. Als Übergangslösung bis zu einem globalen CO2-Zertifikatehandel unterstützen wir die EU darin, eine WTO-konforme Weiterentwicklung des „Carbon Leakage“-Schutzes einzuführen, der sich am EU-ETS orientiert. Damit verhindern wir, dass emissionsintensive Industrien ins Ausland abwandern, und geben anderen Ländern einen direkten Anreiz, bei der CO2-Bepreisung nachzuziehen. Nur so kann ein echter Wettbewerb um Innovationen für mehr Klimaschutz gelingen. Denn dem Klimaschutz ist nicht geholfen, wenn CO2-intensive Produktionsprozesse in Regionen mit geringeren Auflagen außerhalb Deutschlands und Europas verlagert und die Produkte anschließend importiert werden. Aus Sicht der Freien Demokraten ist die Einbeziehung der Partner in europäische Emissionshandelssysteme in jedem Fall vorzuziehen."

    • Wie möchte Ihre Partei wettbewerbsfähige Energiepreise in Deutschland erreichen? Welche Maßnahmen plant Ihre Partei, für eine Energiewende mit echten Anreizen für regenerative Energie als Ersatz für die EEG-Umlage?

      "Wir setzen uns für eine grundlegende Reform der Steuern, Umlagen und Abgaben auf Energie ein. Wir wollen den europäischen Emissionshandel ausweiten und CO2 in allen Sektoren deckeln und mit einem einheitlichen Preis versehen. Im Gegenzug wollen wir die Einnahmen nutzen, um unter anderem die EEG-Umlage schrittweise abzuschaffen und die Stromsteuer auf das EU-Mindestmaß abzusenken. Dies stärkt die Anreizwirkung des CO2-Preises und steigert die Wettbewerbsfähigkeit und Nachfrage regenerativer Energie nicht nur beim Strom, sondern durch die Sektorenkopplung zunehmend auch in anderen Bereichen. Zugleich werden Anreize für den Ausbau erneuerbarer Energien jenseits der EEG-Förderung geschaffen."

    • Wie will Ihre Partei eine starke, nachhaltige Landwirtschaft in Deutschland erhalten und so die Rohstoffversorgung für die Tiefkühlwirtschaft sichern?

      "Wir Freie Demokraten wollen die Ziele unserer multifunktionalen Landwirtschaft in Einklang bringen, um die nachhaltige Landwirtschaft in Deutschland und somit auch die Rohstoffversorgung für die Tiefkühlwirtschaft zu erhalten. Wir setzen dabei auf Natur- und Artenschutz durch Kooperationen statt starrer Auflagen und Bewirtschaftungseinschränkungen. Vor dem Hintergrund der wachsenden Weltbevölkerung und steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln bedarf es einer nachhaltigen Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion. Gleichzeitig stellt der Klimawandel die Landwirtschaft weltweit vor große Herausforderungen und bedroht die Ernten. Damit geht auch eine enorme Verantwortung für Deutschlands hochentwickelte Industrienation einher, weiterhin seinen Beitrag zur globalen Nahrungsmittelsicherheit durch moderne, ressourcenschonende Produktionsverfahren zu leisten. Wir sehen dabei große Chancen in der Nutzung innovativer Technologien wie Smart Farming oder neuer Züchtungstechniken, die wir voranbringen wollen. Um eine Abwanderung der landwirtschaftlichen Produktion ins Ausland zu verhindern, fordern wir verlässliche Rahmenbedingungen für unsere Landwirte."

    • Welche Schwerpunkte will Ihre Partei in der Ernährungs- und Verbraucherpolitik setzen? Welche Rolle spielen die Produkte der Lebensmittelindustrie aus Ihrer Sicht für die Ernährung?

      "Wir Freie Demokraten setzen uns für einen Verbraucherschutz ein, der den mündigen Verbraucherinnen und Verbrauchern Optionen und eine informierte sowie souveräne Entscheidung ermöglicht. Wir vertrauen auf die Selbstbestimmung der Verbraucher. Deshalb lehnen wir eine bevormundende Verbraucherpolitik ab. Die Verbraucher haben in Deutschland wie kaum woanders auf der Welt die Möglichkeit, aus Millionen von hochwertigen Lebensmitteln aus verschiedensten Verarbeitungsstufen auszuwählen, über deren Inhaltsstoffe bereits eine sehr hohe Transparenz durch eine genau aufgeschlüsselte Nährwertkennzeichnung existiert.
      Wir wollen transparente Nährwertinformationen und eine frühzeitige Ernährungsbildung in Kindertagesstätten sowie Schulen. Zudem wollen wir prüfen, bei welchen Produkten das starre Mindesthaltbarkeitsdatum durch ein dynamisches Verderbslimit ersetzt werden kann. Intelligente Verpackungen und eine Haftungserleichterung für Lebensmittelspenden können dabei helfen, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren."

    • Wie können faire Wettbewerbsbedingungen entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette geschaffen werden, vor allem für mittelständische Unternehmen gegenüber dem Handel?

      "Wir Freie Demokraten setzen uns für faire Wettbewerbsbedingen ein, insbesondere auch für mittelständische Unternehmen. Wir machen uns für die marktwirtschaftliche Preisbildung bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen in der gesamten Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Einzelhandel stark. Die Regelungen gegen Marktmachtmissbrauch wollen wir konsequenter umsetzen. Wo auch immer sich Marktmacht einseitig konzentriert, schadet dies dem fairen Wettbewerb. Wir wollen die kartellrechtliche Missbrauchsaufsicht und Fusionskontrolle stärken. Langfristig werden die deutschen Landwirte nur von verbesserten Einkommen profitieren, wenn die Politik für ein Level-Playing Field in sämtlichen Rechtsbereichen der Lebensmittelerzeugung auf europäischer Ebene sorgt, von nationalen Alleingängen absieht und die Einhaltung geltenden Rechts gewährleistet. Die beschlossene Umsetzung der EU-Richtlinie (2019/633) über unlautere Handelspraktiken in den Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen in der Agrar- und Lebensmittelversorgungskette – kurz: UTP-Richtlinie – über eine 1:1-Umsetzung hinaus lehnen wir weiterhin ab. Durch ein solches „Goldplating“ werden weitere Ungleichgewichte im gemeinsamen EU-Binnenmarkt geschaffen."

    • Welche Initiativen plant Ihre Partei, um die Lebensmittelverschwendung weiter zu reduzieren?

      "Dass immer noch eine erhebliche Menge an Lebensmitteln ungenutzt vernichtet wird, stellt nicht nur ein ökonomisches, sondern vor allem ein ökologisches und auch ethisches Problem dar. Dem wollen wir Freie Demokraten uns mit praxistauglicheren Regelungen und intensiver Aufklärung der Verbraucherinnen und Verbraucher annehmen.

      Wir Freie Demokraten wollen die Barrieren von Lebensmittelspenden schnellstmöglich abbauen. Dazu wollen wir dem Lebensmittelhandel mehr Möglichkeiten zu freiwilligen Sachspenden als ein Beitrag zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung einräumen. Die derzeit für die Unternehmen kaum kalkulierbaren Haftungsrisiken im Falle von Gesundheitsschäden beim Verzehr von verschenkter Ware wollen wir auflösen. Für uns liegt der Schlüssel zur Bekämpfung von Lebensmittelverlusten zudem in technischen Innovationen, wie etwa intelligenten Verpackungen. Auch leisten immer bessere, KI-gestützte Bestell- und Distributionslösungen des Lebensmitteleinzelhandels einen wichtigen Beitrag, Lebensmittel bedarfsgerecht in den Märkten vorrätig zu haben. Dies gilt es zu fördern, statt der Branche starre ordnungsrechtliche Vorgaben zu machen. Wir lehnen einen Spendenzwang von Lebensmitteln für den Handel, der mit gravierenden Eingriffen ins Eigentum einhergeht, klar ab.

      Wir Freie Demokraten sehen die Ernährungsbildung als wesentlichen Schlüssel darin, Lebensmittelverschwendung zu verhindern. Nicht nur im Schul- sondern auch im Erwachsenenalter kann dadurch das Bewusstsein über den (nicht nur monetären) Wert von Nahrungsmitteln gefördert werden. In Zusammenarbeit mit den Ländern setzen wir uns daher für den niedrigschwelligen Zugang zu Projekten ein, die diese Kompetenzen fördern und somit aktiv einen Beitrag zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung leisten. Wir schätzen zudem die zahlreichen ehrenamtlichen Initiativen, die besonders Kindern und Jugendlichen den Zugang zur Ernährungsbildung ermöglichen. Das Ehrenamt wollen wir Freie Demokraten von Bürokratie und möglichen Haftungsrisiken entlasten und das freiwillige Engagement tausender Bürgerinnen und Bürger, welches ermöglicht Millionen von Menschen freie Entfaltung, Selbstwirksamkeit und vor allem Kindern und Jugendlichen wertvolle Lernprozesse bietet, stärken.

      Zudem wollen wir prüfen, bei welchen Produkten das starre Mindesthaltbarkeitsdatum durch ein dynamisches Verderbslimit ersetzt werden kann. Intelligente Verpackungen und eine Haftungserleichterung für Lebensmittelspenden können dabei helfen, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren."

    • Wie steht Ihre Partei zu freiwilligen Selbstverpflichtungen der Wirtschaft, um gemeinsam politische Ziele zu erreichen?

      "Wir Freie Demokraten halten freiwillige Selbstverpflichtungen grundsätzlich für ein geeignetes, und im Vergleich zu staatlichen Eingriffen, milderes Mittel zur gemeinsamen Erreichung politischer Ziele. Subsidiarität ist uns wichtig. Unternehmen, die sich zu bestimmten Zielen bekennen, wissen häufig besser, welcher Grad der Zielerreichung in welchem Zeitraum in ihrem eigenen Unternehmen oder ihrer Branche realistisch ist."


  • Die Linke



    • Wie möchte Ihre Partei eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion und -konsum erreichen? Welche Rolle spielen dabei marktwirtschaftliche Instrumente?

      "DIE LINKE setzt sich für eine sozial-ökologische Ausrichtung der Agrar- und Ernährungspolitik ein. Wir wollen eine Lebensmittelproduktion, die die Versorgung sichert statt maximale Profite der Konzerne, mit der Landwirt:innen von ihrer Arbeit gut leben und gute Ernährung für alle bezahlbar ist. Wir fordern eine am Gemeinwohl orientierte Lebensmittelproduktion, z. B. klimaschützende, kurze, kooperative Lieferketten, mehr regionale Wertschöpfung und bessere Bezahlung der geleisteten Arbeit. Für eine nachhaltige Ernährung bedarf es einer integrierten Ernährungspolitik, die die Dimensionen Soziales, Umwelt, Tierwohl und Gesundheit gemeinsam denkt. Marktwirtschaftliche Instrumente sind dort akzeptabel, wo sie öffentlichen Interessen nicht entgegenstehen."

    • Was möchte Ihre Partei tun, um Anreize für weitere Klimaschutzmaßnahmen zu geben? Welche Möglichkeiten sieht Ihre Partei, die Tiefkühlwirtschaft auf ihrem Weg zur Klimaneutralität unterstützen?

      "Mittels eines Mixes aus mutiger Ordnungspolitik, staatlichen Infrastrukturmaßnahmen, Fördermitteln sowie marktnahen Instrumenten muss die Umstellung der gesamten Wirtschaft auf eine dekarbonisierte Wirtschaftsweise gelingen. Die Tiefkühlwirtschaft ist großer Stromverbraucher, aufgrund seiner Besonderheit aber auch potentielle Partnerin zum Lastzeitmanagement. In der Vergangenheit gab es hier verschiedenen Ansätze, Großverbraucher, die Potential zur zeitlichen Verschiebung ihrer Stromnachfrage haben, einzubinden, so etwa die AbLastVO und Hoffnungen, ein neues Strommarktsystem könnte für einen systemunterstützenden Lastbezug Anreize liefern. Nach unsren Erkenntnissen war dies alles nicht sonderlich erfolgreich. Entsprechend plädieren wir dafür, diese Instrumente so nachzuschärfen, dass sie Früchte tragen, also der Tiefkühlwirtschaft als Geschäftsmodell dienen können, in dem sie der Energiewende dienen."

    • Wie möchte Ihre Partei wettbewerbsfähige Energiepreise in Deutschland erreichen? Welche Maßnahmen plant Ihre Partei, für eine Energiewende mit echten Anreizen für regenerative Energie als Ersatz für die EEG-Umlage?

      "Das EEG war - bei all seinen Mängeln - äußerst zielführend als Anreiz dafür, Ökostromanlagen zu errichten. Dass jede zweite Kilowattstunde heute Ökostrom ist, ist genauso ein Verdienst dieses Gesetzes, wie die daraus resultierende CO2-Minderung. Aus diesem Grunde brauchen wir das EEG noch so lange, wie die betriebswirtschaftlichen Zusatzkosten älterer Anlagen und einiger weniger neuer Ökostromanlagen am Strommarkt höher liegen als jene von abgeschriebenen fossil-atomaren Anlagen. Um die Stromwende sozialer zu gestalten und die Sektorkopplung zu unterstützen, wollen wir die EEG-Entgelte an die Ökostrombetreiber künftig aus dem Bundeshaushalt statt dem EEG-Konto bezahlen. Zudem wollen wir die Stromsteuer absenken. Beides nutzt auch stromverbrauchenden Unternehmen, wobei diese durch zahlreiche Industrieprivilegien ohnehin schon weitgehend von den Kosten der Energiewende befreit sind."

    • Wie will Ihre Partei eine starke, nachhaltige Landwirtschaft in Deutschland erhalten und so die Rohstoffversorgung für die Tiefkühlwirtschaft sichern?

      "DIE LINKE strebt eine sozialökologische Agrarpolitik mit strategischer Ausrichtung auf die Sicherung der Ernährungssouveränität mit gut funktionierenden regionalen, kooperativen Wirtschaftskreisläufen und lebendigen ländlichen Räumen an. Dafür braucht es kostendeckende Erzeugerpreise durch Stärkung regionaler Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen und ein faires Regelwerk. Um auch bei Obst und Gemüse auf einen Selbstversorgungsgrad von hundert Prozent zu kommen, braucht es keine Freihandelsabkommen wie Mercosur auf Kosten der heimischen Landwirtschaft. Darüber hinaus muss der Zugang zum Boden für ortsansässige Erzeugerbetriebe gesichert sein und zwar zu Preisen, die mit landwirtschaftlichen Erlösen bezahlbar sind. Spekulation mit landwirtschaftlichen Flächen muss unterbunden werden. Der Kampf gegen die Klimakrise und den Verlust biologischer Vielfalt ist auch im Eigeninteresse der einheimischen Landwirtschaft, gleichzeitig muss die soziale Krise in der Landwirtschaft gelöst werden ."

    • Welche Schwerpunkte will Ihre Partei in der Ernährungs- und Verbraucherpolitik setzen? Welche Rolle spielen die Produkte der Lebensmittelindustrie aus Ihrer Sicht für die Ernährung?

      "DIE LINKE will bundesweit eine kostenlose und hochwertige Kita- und Schulverpflegung einführen, die auf regionale und ökologisch nachhaltige Lebensmittel setzt. Dies ist die effektivste Maßnahme für eine nachhaltigere Ernährung in Deutschland. Wir setzen uns für eine Vereinfachung der Lebensmittelkennzeichnung ein: Ein verpflichtendes Label auf der Vorderseite der Verpackung sollte Auskunft über den Zucker-, Salz- und Fettgehalt des Produktes geben. Eine verbindliche, staatliche Haltungskennzeichnung hilft, damit auch Verbraucher:innen zu mehr Tierschutz beitragen können. Wir fordern mehr und unangekündigte Lebensmittelkontrollen. Die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen sollen veröffentlicht werden. Wir sind der Auffassung, dass gesunde und nachhaltige Lebensmittelprodukte für die Ernährung und den heutigen Verbraucheralltag eine hohe Bedeutung haben."

    • Wie können faire Wettbewerbsbedingungen entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette geschaffen werden, vor allem für mittelständische Unternehmen gegenüber dem Handel?

      "Auf dem deutschen Lebensmittelmarkt herrscht eine strukturelle Ungleichheit, die unfaires Marktverhalten und Machtungleichheit für Landwirt:innen und kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) befördert. Im Handel, aber auch der Verarbeitungsstufe, haben sich monopolartige Strukturen gebildet. Diese ermöglichen marktmächtigen Konzernen die Vertragsbedingungen und Preise zu diktieren, auf Kosten von Mensch und Natur. Das will DIE LINKE durchbrechen. Wir setzen uns ein für ein Verhandeln auf Augenhöhe von Erzeugenden mit Verarbeitungs- und Handelsstrukturen, kostendeckende Erzeugerpreise und eine Anti-Kartellpolitik bis hin zur Entflechtung. Wir fordern ein generelles Verbot aller unlauteren Handelspraktiken über eine Generalklausel, eine Preisbeobachtungsstelle, eine Ombudsstelle, die anonym unlautere Handelspraktiken, Dumpingpreise sowie Verstöße bei Löhnen und Gehältern untersucht sowie eine Durchsetzungsbehörde, die Verstöße ahnden kann."

    • Welche Initiativen plant Ihre Partei, um die Lebensmittelverschwendung weiter zu reduzieren?

      "Nach Ansicht der Partei DIE LINKE dürfen sich die Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung nicht nur auf die Verwertung von Lebensmittelresten beschränken. Vielmehr ist die Vermeidung von Lebensmittelabfällen in der Produktionskette besonders wichtig. Dazu bedarf es einer kritischen Auseinandersetzung mit der Frage des Wettbewerbs- und Kostendrucks bei der Erzeugung von Lebensmitteln. Durch verbindliche Zielmarken in allen Wertschöpfungsstufen (Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Außer-Haus-Verpflegung, Privathaushalte) muss die Lebensmittelverschwendung bis 2030 halbiert werden. Handelsnormen müssen hinterfragt und rein optische Qualitätsanforderungen für Nahrungsmittel abgeschafft werden. Supermärkte müssen verpflichtet werden, aussortierte, aber noch genießbare Lebensmittel kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Das sogenannte Containern soll straffrei werden."

    • Wie steht Ihre Partei zu freiwilligen Selbstverpflichtungen der Wirtschaft, um gemeinsam politische Ziele zu erreichen?

      "Freiwillige Selbstverpflichtungen der Wirtschaft haben in der Vergangenheit fast nie ihr umweltpolitisches Ziel erreicht, sie wurden schlicht vielfach nicht eingehalten. Aus unserer Sicht sind sie Zeitverschwendung im Klimaschutz."